Dienstag, 23. Juni 2009

Mugabe: Was ist sein Vergehen?

Robert Mugabe, Simbabwes wiedergewählter Präsident, herrscht über eines der reichsten Rohstoffgebiete der Welt: den »Great Dyke«, der sich wie eine geologische Schneise durch das ganze Land von Nordost nach Südwest zieht. Das gibt einen Hinweis auf den wahren Grund für die frommen Sorgen der Regierung Bush über die Wahrung der Menschenrechte in Simbabwe in den letzten Jahren. Nur im Vordergrund geht es um Wahlbetrug durch Mugabe oder die Enteignung weißer Siedler, denn Mugabe unterhält umfassende Geschäftsbeziehungen mit dem Land, das praktisch unbegrenzten Bedarf für die Rohstoff aus Simbabwe hat – China. Zusammen mit dem Sudan steht Mugabes Simbabwe im Zentrum des neuen Krieges zwischen Washington und Peking um die Rohstoffe aus Afrika; dabei spielt auch Moskau eine unterstützende Rolle. Es geht um ungeheuer viel.

Simbabwes Präsident Robert Mugabe ist ein furchtbarer Schurke. Das wissen wir alle aus der Zeitung oder aus den Äußerungen von George W. Bush, früher von Tony Blair und in letzter Zeit von Gordon Brown. In ihren Augen hat er schwer gesündigt. Sie werfen ihm vor, er sei ein Diktator, er habe im Rahmen einer Landreform weiße Farmer oftmals gewaltsam enteignet, er habe seine Wiederwahl durch Wahlschwindel und Gewalt durchgesetzt, und schließlich, er habe Simbabwes Wirtschaft ruiniert.

Aber seine Sünde scheint vielmehr zu sein, dass er versucht, sich aus der sklavischen neokolonialistischen Abhängigkeit von den Anglo-Amerikanern zu befreien und unabhängig vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voranzutreiben. Seine wirkliche Sünde scheint in der Tat zu sein, dass er sich an das einzige Land gewandt hat, das seiner Regierung Kredite und günstige Zahlungsbedingungen ohne Fallstricke für die wirtschaftliche Entwicklung gewährt – die Volksrepublik China.

Mugabes wahre Sünde war es, Investitionen und Zusammenarbeit nicht von Großbritannien oder den USA zu erbitten, sondern von China.

Dazu passt, dass in den Berichten der westlichen Medien der zweite Beteiligte an dem riesigen Tauziehen um die Kontrolle über Simbabwes enormen Rohstoffreichtums unter den Tisch fällt.

Das Erbe von Cecil Rhodes

Simbabwe ist der Name des afrikanischen Landes, das vor hundert Jahren, im Zeitalter des britischen Kolonialismus, Rhodesien hieß. Namensgeber für das damalige Rhodesien war der britisch-imperiale Stratege und Bergwerksbesitzer Cecil Rhodes, des Begründers des renommierten »Rhodes-Stipendiums« in Oxford, der vor allem aber dadurch bekannt wurde, dass er im Auftrag der britischen Krone den Plan für eine riesige private »Afrika-Zone« entworfen hat, die von Ägypten bis Südafrika reichen sollte. Nach dem Vorbild der britischen East India Company (Ostindiengesellschaft) gründete Cecil Rhodes zur Ausbeutung der riesigen Rohstoffvorkommen in Afrika die British South Africa Company (Britische Südafrika-Gesellschaft), und zwar zusammen mit L. Starr Jameson, der mit dem »Jameson Raid« – dem Überfall auf Paul Krugers Südafrikanische Republik im Jahre 1895 – berühmt-berüchtigt wurde. Diese Gesellschaft kontrollierte das später Northern Rhodesia (Sambia) und Southern Rhodesia-Nyasaland genannte Gebiet. Bei diesem »Geschäftsmodell« sollte es die britische Regierung notfalls mit Waffengewalt Cecil Rhodes ermöglichen, die Rohstoffe ausbeuten zu können, während Rhodes und seine Londoner Bankiers, allen voran sein enger Verbündeter Lord Rothschild, den gesamten Profit einstrichen.

Rhodes war ein cleverer Geologe und wusste, dass es eine geologische Verwerfung gab, die von der Nilmündung im Golf von Suez südlich über den Sudan, Uganda, Tansania, bis ins heutige Zimbabwe und nach Südafrika verlief. Rhodes hatte bereits einige Kriege angezettelt, um die Kontrolle über die Diamanten von Kimberley und das Gold von Witwatersrand in Südafrika zu bekommen. Die geologische Formation, die Rhodes und deutsche Geologen in den 1880er-Jahren entdeckten – auf der Strecke liegen auch einige Vulkane –, erhielt den Namen »Großer Afrikanischer Grabenbruch«.

Rhodesien wurde, wie Südafrika nach den blutigen Burenkriegen, von Weißen besiedelt, die die zukünftigen Rohstoffeinkommen für die alliierten Interessen sichern sollten; das betraf insbesondere die mächtige Familie Oppenheimer und deren große Gold- und Diamantenunternehmen in der Region. Als 1962 viele afrikanische Länder das Joch der Kolonialherrschaft abwarfen und unabhängig wurden, gehörte Rhodesien zusammen mit der ehemaligen britischen Kolonie Südafrika zu den letzten Bastionen der weißen Apartheid-Herrschaft. Weiße machten in Rhodesien nur ein bis zwei Prozent der Bevölkerung aus, ihre Methoden zum Erhalt der Herrschaft waren entsprechend brutal.

Der weiße rassistische Premierminister Ian Smith erklärte 1965 Rhodesiens Unabhängigkeit von Großbritannien, ohne den geringsten Kompromiss in der Rassenfrage oder einer Machtaufteilung mit den schwarzen Nationalisten einzugehen. Großbritannien gelang es, UN-Sanktionen verhängen zu lassen, um Smith zum Einlenken zu zwingen. Trotz der Sanktionen bekam Smith von konservativen Geschäftsinteressen in London erhebliche Unterstützung, und Tiny Rowland, der Chef des Bergbaukonzerns Lonrho, sicherte sich während der Regierung Smith den Großteil seiner Profite aus den rhodesischen Kupferminen und ähnlichen Unternehmen. In der Londoner City wusste man sehr wohl, über welchen Reichtum Rhodesien verfügte. Die Frage war, wie man die Kontrolle dauerhaft sichern konnte.

Nach langen und blutigen Auseinandersetzungen gewann 1980 der Führer der schwarzen Koalitionsbewegung African Popular Front (Afrikanische Volksfront) überwiegend die Wahl zum ersten Premierminister eines neuen Simbabwe. 20 Jahre später ist derselbe Robert Mugabe wachsenden Angriffen aus dem Westen ausgesetzt, besonders von Simbabwes ehemaliger Kolonialmacht England. Dazu gehören harte Wirtschaftssanktionen, die das Land an den Rand des Zusammenbruchs führen sollen, um die Wirtschaft zwangsweise für ausländische (sprich anglo-amerikanische und verbündete) Investitionen zu öffnen.

Der Great Dyke

In Simbabwe wird ein Abschnitt des Großen Afrikanischen Grabenbruchs »Great Dyke« (Großer Deich) genannt, eine rohstoffreiche geologische Auffaltung, die sich über 530 Kilometer vom Nordosten des Landes bis zum Südwesten erstreckt und bis zu zwölf Kilometer breit ist. Ein Fluss durchzieht den Graben und die Region ist vulkanisch aktiv. Hier gibt es reiche Vorkommen an Chrom, Kupfer und vor allem Platin.

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Kommentar:

Sind die westlichen Politiker zu trauen, wenn sie Mugabe verteufeln? Meiner Meinung nach, ihre Hass diesen Mann gegenüber hat nicht mit den politischen Verhältnisse im Land Simbabwe zu tun, sondern mit den eigenen wirtschaftlichen Interessen, die sie durch ihm gefährdet sehen.


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